„Klartext“ lautete die Überschrift für den Besuch des Chefs der Jungen Union Deutschlands in Heidelberg. Nach sehr kurzweiligen Stunden im Güldenen Schaf, war für die Besucher der von Seiten des Kreisverbandes der Jungen Union Heidelberg ausgerichteten Veranstaltung klar: Viel passender hätte man den Abend nicht überschreiben können.

Trotz bereits existierender Einschränkungen war der Saal an diesem Donnerstagabend, dem 22. Oktober, gut gefüllt. Die Maßnahmen, die der Gesundheitsschutz gebot und das Ordnungsamt auferlegte, wurden selbstredend beachtet. Abstände waren genauestens bemessen, die Liste vorangemeldeter Besucherinnen und Besucher penibel abgehakt.

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Nach einer Begrüßung und Einleitung des Abends von Jasmin Becker, komm. JU-Vorsitzende, folgten Prof. h. c. Dr. Karl A. Lamers MdB sowie Alexander Föhr, Bundestagskandidat und Kreisvorsitzender der CDU Heidelberg, die mit ihren Grußworten die Stimmung für den Hauptredner des Abends setzten. Tilman Kuban, dessen Besuch des Heidelberger Kreisverbandes pandemiebedingt mehrere Anläufe benötigte, brauchte selbst nur einen Anlauf, um die Stimmung im Saal aufzugreifen und die volle Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher auf sich zu ziehen.

Der seit März 2019 amtierende Bundesvorsitzende hatte eine Vielzahl an bundespolitischen Themen für die Heidelberger JU und ihre Gäste im Gepäck. Über Forschung und Entwicklung, Digitalisierung, zentrale Fragen der Europapolitik bis hin zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land, wusste Kuban mit Fachwissen und pointierten Beiträgen zu überzeugen.

Ein Kernanliegen Kubans‘ an diesem Abend war, die Stärke der deutschen Wirtschaft nicht vorschnell abzuschreiben. Deutschland als Land der Ideen habe eine nicht zu unterschätzende Innovationskraft, die gerade jetzt gefördert werden müsse. Dies gelte insbesondere für das politische Leitmotiv, eine Versöhnung von Ökonomie und Ökologie zu moderieren und nicht durch Zwangsmaßnahmen und Verbote aufzuerlegen. Hier habe Deutschland die Chance Vorreiter zu sein. Ganz konkret nannte Kuban die Förderung einer nationalen Wasserstoffstrategie. Es gelte, anderen Nationen den Beweis zu erbringen, dass sich mit ökologischer Innovationskraft auch gutes Geld verdienen ließe. Wenn dieser Beweis erbracht werde, wie es z.B. in der Photovoltaik-Branche bereits geschehen sei, dann fänden solche Modelle auch Nachahmer, zeigte sich Kuban überzeugt.

Innovation statt Verbote. Diesen Aspekt bezog Kuban sogleich in die Frage ein, wie es gelänge, junge Menschen im Jahr 2020 für Politik und die Junge Union zu begeistern. Viele Schülerinnen und Schüler seien heutzutage ständig online, Smartphones würden zwei Mal pro Tag geladen, Netflix werde gestreamt und viele würde es nach ihren Abschlüssen gen Afrika, Neuseeland oder die USA ziehen. Es sei der falsche Weg, diesen jungen Menschen mitzuteilen, dass sie Verzicht zu üben hätten. Jetzt sei der Zeitpunkt für eine Innovationsagenda. Das erste emissionsfreie Flugzeug solle aus deutscher Produktion stammen, so Kuban.

Die Corona-Pandemie decke zurzeit schonungslos Defizite in der bundesdeutschen Bildungslandschaft auf. Hier gelte es schnell zu reagieren und Antworten zu finden, die dem Anspruch, zu den führenden Bildungsnationen zu gehören, Rechnung träge. Unterrichtsausfall, Mangel an digitaler Infrastruktur und schlechte Vergleichswerte in Kernfächern, seien so nicht hinzunehmen. Es gelte hier die alte Regel: Wer es, wie Deutschland, nicht im Boden habe, der müsse es in der Birne haben. Hierzu sei auch eine effizient agierende Verwaltung von Nöten. Dazu gehöre neben einer vernunftgeleiteten Digitalisierung von Verwaltungshandeln auch die Berücksichtigung des demografischen Wandels. Es sei abzusehen, dass die sogenannten „Babyboomer-Jahrgänge“ in wenigen Jahren pensioniert würden. Dieser Umstand betreffe mittelfristig bis zu 30% der Verwaltungsbeamtinnen und Beamten, so Kuban.

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Nach seinem Vortrag stand Tilman Kuban noch ausführlich für Fragen und Debattenbeiträge zur Verfügung, die ebenfalls nahezu das gesamte bundespolitische Repertoire abdeckten: von Außen- und Sicherheitspolitik, Künstliche Intelligenz, Migrationspolitik bis hin zur Generationengerechtigkeit, brachte sich auch Anja Boto, Kandidatin für die Landtagswahl, in die Debatte ein um die Frage, wie wir unsere Positionen deutlich kommunizieren und uns gegenüber dem politischen Mitbewerber, insbesondere den Grünen, behaupten. Darauf gab es von Seiten des Bundesvorsitzenden der Jungen Union eine klare Antwort: Wir müssen uns zutrauen, die Grünen in den richtigen Momenten argumentativ zu stellen und klar für unsere Positionen zu werben. Es ist an der Zeit, die eigenen Stärken herauszustellen – dafür brauche die Union Selbstvertrauen und Persönlichkeiten.